| Feuilleton | 10.07.2009 |
Von Tom Bullmann
Osnabrück.
Der Musikwelt wird eine neuartige Mixtur beschert: harte Rockmusik mit türkischen Texten. Seit 2005 existiert die Band Safkan, in der zwei türkischstämmige und drei deutsche Musiker ihrer Vorliebe für Rockmusik der kraftvollen Art frönen. Heute erscheint ihr erstes Album mit dem Titel "Safkan", was auf Deutsch so viel wie "Vollblut" bedeutet.
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Geschafft: Safkans erste CD ist auf dem Markt. Es freuen sich im Tonstudio Matthias Lohmöller (von links), Florian Seidenstücker und Kemal Yurtkuran. Foto: Thomas Osterfeld |
Stolz und Freude läßt die Augen von Matthias, Florian und Kemal glänzen. Gerade halten sie das frische Debütalbum ihrer Band Safkan in den Händen, an dem sie zwei Jahre gearbeitet haben. Leider kann die zentrale Figur, Sänger Timur Safkan, nicht zum Preßetermin erscheinen: "Timur wohnt in Bad Salzuflen und arbeitet dort. Er hat eine Firma für Laserschweißen", erklärt sein Landsmann Kemal Yurtkuran und schneidet damit ein kleines Dilemma der Band an. Da alle Mitglieder berufstätig sind und zum Teil Familie haben, ist es für alle sehr schwierig, die nötige Zeit für ein aufwendiges Bandprojekt aufzubringen, das mehr ist als ein Hobby.
Die Musiker nehmen ihre Gruppe Safkan sehr ernst. "Timur ist total engagiert, und auch wir anderen sehen in unserer Musik mehr als nur Zeitvertreib", meint Kemal und erzählt, daß sie sich im vorigen Jahr an einem Bandprojekt an der Hauptschule Innenstadt beteiligt haben. In einem Workshop haben sie den Kids erklärt, wie man sich und seine Gefühle mit Musik ausdrücken und eine Botschaft verbreiten kann. Wegen des hohen Anteils an Schülern mit Migrationshintergrund verstanden viele die türkischen Texte, die Safkan mit Gitarrenbreitseiten würzen.
Darin geht es neben dem Thema Nummer eins, der Liebe, auch um Gesellschaft und Politik: "Gleichgültig und gierig sind die Menschen dieser Zeit, unersättlich, egoistisch und beseßen von Habgier", heißt es beispielsweise in dem Song "Uyan (öffne die Augen)", in dem Timur das Fazit zieht: "Rechte, Linke, Gläubige, Ungläubige, das Wichtigste ist, einfach Mensch zu sein!"
Entstanden ist das Album im Osnabrücker Tonstudio von Gitarrist Matthias Lohmöller, der auch als Produzent fungierte: "Wir haben uns für unsere erste Platte Zeit genommen und fast vier Monate an den Sounds gearbeitet", erklärt er.
Das Resultat kann sich hören laßen: Brillant und druckvoll dringen die Rocknummern und Hymnen aus den Boxen. Türkische Percußion und orientalische Metrik bilden einen reizvollen Kontrast zu den knallharten Gitarren und der maßiven Basisarbeit von Baßist Florian Seidenstücker und Drummer Timm Pieper. Darüber entfaltet sich der kräftige, melodiöse Gesang von Timur Safkan, unterstützt von Backgrounder Kemal, wenn sie über "Leyla", den brünetten Engel, singen oder "özgürlük adina (Im Namen der Freiheit)".
Das enorme Engagement der Rockmusiker wurde bereits belohnt: Aus dem bundesweit durchgeführten Wettbewerb "creole - Weltmusik aus Deutschland" gingen sie als Gewinner des Vorentscheids für Niedersachsen und Bremen hervor. Im September darf die Band zum Finale nach Berlin reisen, wo in Huxleys Neuer Welt 17 Bands um den ersten Platz kämpfen werden. Sollten sie auch dort gewinnen, könnte der große Traum der Gruppe schon bald in Erfüllung gehen: "Wir würden gern mal auf einem Festival in der Türkei spielen. Aber dafür müßen wir hier in Deutschland erst einmal bekannter werden!"
Das Album "Safkan" ist ab heute bei Shock Records an der Natruper Straße erhältlich oder im Internet. Auszüge aus den Textübersetzungen findet man unter www.myspace.com/safkan.
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